Ja, es ist tatsächlich schon so weit. Alles is vorbei, dies ist mein letzter Blogeintrag. Sechs Monate, eine Woche und drei Tage sind vergangen, seit ich in Auckland gelandet bin und mein Abenteuer begonnen habe.
Es kommt mir vor, als sei ich nur zwei Wochen hier gewesen, die Zeit verschwimmt aber schon, es ist alles so unwirklich und ich bin verwirrt. In ein paar Tagen verlasse ich Neuseeland, dann ist es endgültig aus. Noch zwei Tage Layover in Singapur und dann geht's wieder zurück in die wirkliche Welt, zurück nach München, zum MTG, zum Land mit U-Bahnen und zu vielen Gangstern, echtem Brot und keinen Schuluniformen. Ich hänge im Moment in einer ziemlichen Zwischenwelt, ich weiß nicht mal, was ich wirklich davon halte, dass ich wieder “nach Hause” komme. Ich freue mich auf euch, liebe Freunde und Familie, aber ich lasse hier auch ganz schön viel von mir zurück.
Im Moment sitze ich in einem Backpacker am Surf-Highway (Nein, das ist keine Straße, so nennen die nur die Westcoast hier, weil du praktisch an jedem Strand wunderbar surfen kannst), in Piha (ca. Eine Stune von Auckland weg)... Meine Eltern sind schon lange da und wir sind gerade heute von Dunedin nach Auckland geflogen, nach unserem wirklich schönen Südinsel-Trip. Ich habe Surfer beobachtet und mich ein bisschen vor den tonnen von Seesternen geekelt, die am Strand an den Felsen klebten. Einer ist ja ganz nett, aber wenn da plötzlich 257 von diesen achtarmigen, eigenartigen Kreaturen pappen, da graust's mich dann schon.
Wir waren in einem schrägen Pub hier, mit einem netten Barkeeper, der ständig zwischendrinn Billiard gespielt hat (der Typ hat in zehn Minuten alle Kugeln weggeräumt! O,O) und uns Getränke umsonst gegeben hat, weil die nur Cash akzeptiert haben und wir nur noch wenig hatten.
Ich habe Lisa Simpson in den Sand gemalt und musste meinen Vater gestern (auch an einem Strand) davon abhalten so zu tun, als sei er ein Austernfischer (ein Vogel), indem er einen Stock genommen hat, draufgebissen hat und dann rumgepickt und rumgewatschelt ist, wie einer dieser komischen Vögel. :)
In Queenstown habe ich meine Eltern zur Kawarau Bridge geschleppt, damit sie den Bungy Jumpern zuschauen und ich bin sehr stolz darauf, das mein Papa nach einigem Überlegen sich ebenfalls 43 Meter in die Teife stürzte und es absolut toll fand. :D
Aufgrund der Verständigungsprobleme die meine Eltern mit den Kiwis zu haben scheinen (“Die nuscheln alle so!” “Was hat der gesagt? Ich hab kein Wort verstanden. Redet der Englisch?” “Kannst du bitte mit dem reden, ich versteh den nicht”) spiele ich hier also ab und zu den Übersetzer. Das kann schon ein Problem werden, weil die Kiwis, vorallem die Südinselianer gerne mal ein bisschen mit fremden Touristen schwatzen. Ich glaube, deren Hauptproblem ist, dass die kaum den Mund aufmachen bei reden und ich mir das auch langsam angewöhne. Naja. Wird schon. Aber ich musste erklären, dass hier kaum “you're welcome” nach einem “thank you” gesagt wird, sondern eigentlich nur “ye, no worries (mate)”... “Good as gold” kommt mir schon gar nicht mehr komisch vor, ist aber etwas verwirrend wenn man nicht weiß, dass es eigentlich nur “ok” heißt. “Good on ya”, “G'day”,... alles erstmal wirklich unverständlich.
Neulich hat ein älterer Herr mit uns geredet, der sah aus wie ein zerfurchter Fischer, war aber ein zerfurchter Traktor-Verleiher und der erzählt fröhlich eine Geschichte, wie vor ungefähr 35 er und seine Freunde betrunken in einem Polizeiauto gefahren wären und dann ein bisschen eine Klippe runtergefallen seien. Aber das war leider ein waschechter Kiwi und der redete ungefähr so: “So, me an ma mates, we wa on theee piss and theeen, ya know, day juuust haad pat in seatbelts,...” Und ich meinte neben bei: “On the piss heißt auf Sauftour”... “Er hat gerade “then” gesagt.”... :P
Heute hat uns Jeff, unser landlord, also der typ, dem das backpacker's gehört meiner Mam und mir Rugby erklärt, das ist echt interessant, wenn die eine Scrum machen, also sowas ähnliches wie ein huddle, dann hängt da einer in der Mitte, Füße vom Boden weg und versucht den Ball zu kicken und die anderen drücken gegeneinander und versuchen den Ball zu ihrer Manschaft zu schieben... jaja, ein lustiges Spiel. Und sie heben einander hoch, wenn sie den Ball fangen wollen. Hahaha.
So, jetzt aber wieder zurück zum Thema, mein letzter Eintrag.
Ich habe so vie erlebt in den letzten Monaten, habe so viel gelernt, so viel überwunden und so viel Spaß gehabt, dass man es nicht in müßige Worte verpacken kann.
Ich kann jedem nur empfehlen sowas zu machen, aber ich muss sagen, es hat seine Höhen aber auch definitiv seine Tiefen. Man muss Dinge alleine meistern und ab und zu auch mal einstecken oder mit Heimweh kämpfen oder einfach nur mit der Tatsache, dass man erstmal nicht so richtig reinpasst. Dinge können schief gehen, man muss sich vom gewohnten Luxus: “Irgendwer macht das schon für mich” mal entfernen und sich darüber im Klaren sein, dass man nicht Prinz oder Prinzessin Tausendschön ist, sondern jemand, der plötzlich sehr auf sich allein gestellt ist.
Aber ich habe es so genossen, ich bin so froh, dass ich mich dazu entschieden habe. Ich glaube, ich habe mich verändert, aber das ist gut so.
Ich werde dieses halbe Jahr nie vergessen und es wird immer etwas besonderes sein. Ich habe tolle Menschen kennen gelernt und erlebt wie es ist, hier wirklich zu leben, was einen echten Kiwi ausmacht und wie man sich hier so zurecht findet.
Ich werde garantiert hier her zurück kommen, Neuseeland ist ein wunderschönes Land mit Bergen, Urwäldern (wirklich, das schaut aus, als würde dir gleich der T-Rex entgegen hüpfen), Flüssen, Meer, Strand, Sonne, Regen, Freundlichkeit, Entspannung und Isolation, aber irgendwie im guten Sinne. Ich hatte hier plötzlich Zeit für alles und für mich. Ich hab auch irgendwie mich besser kennen gelernt und ich weiß, dass ich meine Grenzen weiter ziehen kann, als ich dachte.
Ich hatte Glück, meine Gastfamilie war toll und meine Schule war unglaublich. Aber ich glaube, selbst wenn das nicht so gewesen wäre, dann hätte ich es immer noch als eine der besten Zeiten meines Lebens bezeichnet.
Wenn ich jetzt sechs Monate zurück gehen könnte, und meinem etwas verunsichertem, euphorischem und gleichzeitig verängstigten Ich am Münchner Flughafen etwas sagen könnte, dann wäre es: “Mach dir nicht so viel Gedanken.” Das hab ich hier wirklich gelernt. “Das wird schon”. So leben die hier und so lässt es sich auch leben. Ich neige sowieso dazu alles zu überdenken, mir die schlimmsten Szenarien aus zu malen und so weiter und ich glaube, ich konnte das hier ein bisschen ablegen.
Ganz egal, was für ein Mensch ihr seid, ich kann mir nicht vorstellen das ein Auslandsjahr, egal wo, irgendwem schaden könnte.
So. Das war's tatsächlich schon.
Jana is logging off.
Over and Out.